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300.000 .eu-Domains droht nach dem Brexit die Löschung

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Wie die Europäische Kommission in einer offiziellen Erklärung in der ersten Aprilwoche mitteilte, wird sie alle 300.000 Domains der Top-Level-Domain .eu löschen, sofern sie auf britischen Registranten eingetragen sind. Der Vorgang würde aktiv, sollte Großbritannien aus der EU austreten.

“Ab dem Widerrufsdatum können Unternehmen und Organisationen, die im Vereinigten Königreich, nicht aber in der EU ansässig sind, sowie natürliche Personen mit Wohnsitz im Vereinigten Königreich keine .eu-Domänennamen mehr registrieren lassen”, heißt es in dem Dokument, das ergänzt: “oder, wenn sie .eu-Registranten sind, vor dem Widerrufsdatum registrierte.eu-Domänennamen erneuern”.

Zusätzlich schlug die Europäische Kommission vor, bereits bestehende .eu-Domänen in dem Moment zu kündigen, in dem Brexit eintritt.

“Infolge des Rückzugs des Vereinigten Königreichs erfüllt ein Inhaber eines Domänennamens nicht mehr die {all}gemeinen Zulassungskriterien…. das Register für.eu ist berechtigt, diesen Domänennamen von sich aus zu widerrufen, ohne die Streitigkeit einer außergerichtlichen Beilegung von Konflikten zu unterwerfen”.

Neusten Zahlen entsprechend, sind im Vereinigten Königreich etwas mehr als 317.000 .eu-Domains registriert. Das sind gut 10% {all}er registrierten .eu-Domains. Die Löschung hätte enorme Auswirkungen auf das Unternehmen EURid, welches die .eu-Domains verwaltet. Aber auch die EU selbst wäre betroffen, da sie jährlich Millionen von Euro an Überschüssen durch die Domains erhält.

EURid hat deutlich gemacht hat, dass sie weder zu den Plänen konsultiert wurden, geschweige denn informiert wurden. Sie erfuhren erst von den Plänen, als die Nachricht veröffentlicht wurde. Auf der eigenen Webseite findet sich eine Erklärung, die mit folgenden Worten beginnt: “Gestern Nachmittag erhielt EURid, der Registry-Manager der TLD .eu, den Link zur Mitteilung der Europäischen Kommission über den Brexit und die TLD.eu”.

Das Nachspiel
Die EU hat das Recht, über die Richtlinien für die Registrierung von.eu-Domänen zu entscheiden. Sie hat die Regeln und Verträge verfasst und erhielt im Jahr 2005 von der ICANN die Verlängerung dieses Rechts. Es war eine überwiegend diplomatische Anstrengung, um Europa mit der Unterstützung der in den USA ansässigen Organisation ins Boot zu holen. Andere Interessensvertreter wollten diese Aufgaben in die Hände der Vereinten Nationen legen.

Für die Aufgabe ein neues Internet-Registers an eine Bürokratie zu übertragen, wurde die EURid nach einer offenen Ausschreibung ausgewählt. Dadurch wurde die EURid in diesem hart umkämpften Markt jedoch auch mit einer Menge unnötiger Bürokratie belastet. Dieser überbürokratische Ansatz sollte in diesem Jahr nach einer öffentlichen Konsultation der Europäischen Kommission überarbeitet werden.

Die Konsultation wurde im August abgeschlossen, aber es bleibt weiter unklar, was passiert. Brancheninsider haben kritisiert, wie wenig die Europäische Kommission mit Branchenexperten zusammengearbeitet hat. Der gleiche Mangel an Engagement war auch in der Ankündigung des Domain-Brexit in dieser Woche zu sehen.

Die Nachricht wurde mit Verwirrung von einer Branche aufgenommen, die über langjährige Erfahrungen und Best Practices verfügt, wenn es darum geht registrierte Domains bei einem Strukturwandel beizubehalten werden.

Das gilt sogar für Top-Level-Domains, die offiziell aus dem Internet entfernt wurden – wie zum Beispiel die .su-Erweiterung (Sowjet{union}), die mit der Einführung der russischen Erweiterung .ru im Jahr 1993 offiziell abgeschafft wurde.

Es gibt zahlreiche Beispiele für Grandfathering in der Domainnamen-Branche. Das vielleicht jüngste und bekannteste Beispiel war, als der .uk-Betreiber Nominet den Inhabern von .co.uk-Domains das Recht einräumte, .uk-Domains zu registrieren, als diese Domains eingeführt wurden.

Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer für die 317.000 Personen und Organisationen in Großbritannien, die .eu-Domains registriert haben. Die Ankündigung stellt fest, dass ihr Dekret “einer Übergangsregelung unterliegt, die in einem möglichen Rücktrittsabkommen enthalten sein könnte” – was bedeutet, dass es Teil eines großen Brexit-Abkommens zwischen der britischen Regierung und der EU sein könnte.

In diesem Sinne ist es wahrscheinlich, dass die .eu-Domänen einfach in einen breiteren Rahmen und einer Strategie (wenn man es so nennen will) über den Umgang zum Verlassen des Vereinigten Königreichs aus Europa eingebunden werden. Aber das macht diese Politik der Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien nicht besser.


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